Projektskizze MÜLLFREIE ZONE 
im Nelly-Sachs-Park, Schöneberg

Kurzzusammenfassung:
Beim World-Clean-Up-Day letztes Jahr haben wir, neben dem Sammeln von reichlich Müll im gesamten Park, endlose Zigarettenstummel und Kronkorken aus der inneren Wiese des Kleistparks gesammelt. Sie waren zu einem festen Bestandteil des Bodens geworden. Dazu kamen Scherben. Viele Menschen denken bei diesen kleinen Abfällen nicht daran, sie sinnvoll und vollständig zu entsorgen. Dabei können sie großen Schaden anrichten! Ein liegengebliebener Zigarettenstummel vergiftet beispielsweise ca. 40l Grundwasser und wir haben schon einige Schnitte von Scherbe und Kronkorken mit unseren Erste-Hife-Sets versorgt. Das muss nicht sein!

Daher möchten wir eine kleine Testfläche Wiese zu einem rückstandsfreien heilen Ort machen. Dazu werden wir über einen gewissen Zeitraum jeden noch so kleinen Müll dort regelmäßig entfernen. Wir werden beobachten, wie die Menschen darauf reagieren. Werden sie motiviert, auch auf Sauberkeit zu achten? Lassen sie mehr liegen, weil es ja offensichtlich von anderen weggeräumt wird? Könnten (mentale) Patenschaften für kleine Abschnitte des öffentlichen Raumes funktionieren?

Dem gegenüber soll es eine Vergleichsfläche geben, die ähnlich markiert ist und nicht aufgeräumt werden soll. Nun kann festgestellt werden, ob sich die Broken Window Theorie hier bestätigen lässt und der vermüllte Ort immer stärker als solches genutzt wird, oder nicht.
Durch diese sichtbare Aktion, die Fragen aufwirft und Stoff für Gespräche hergibt, sollen die Nutzer*innen zum Nachdenken und Mitmachen angeregt werden.

Zukünftig ist es vorgesehen, das Projekt an eine Bürgerinitiative abzugeben und somit zu verstetigen.

Analyse des aktuellen Zustands:
Die Wiesen in den Schöneberger Parks werden zwar regelmäßig gesäubert, allerdings gibt es vermüllte Ecken in Gebüschen und eben die kleinteiligen Abfälle auf den Wiesen, die uns immer wieder auffallen. Einige engagierte Mitmenschen helfen den Parkläufer*innen bereits bei spontanen Aufräumaktionen. Allerdings würden wir uns die Parks noch sauberer wünschen.

Beschreibung des gewünschten Zustands und dessen Wirkung:
Wir möchten, dass die markierte Fläche komplett sauber bleibt. Das soll bewirken, dass die Parknutzer*innen und Passant*innen einen Unterschied feststellen und selbst motiviert sind, diesen wünschenswerten Zustand auf den gesamten Park auszudehnen. Grüne und saubere öffentliche Räume sind unserer Meinung nach eine gute Grundlage für gelungene Begegnungen, erholsame Ausweichflächen in der Stadt und eine gesunde Stadtnatur. Unter anderem für Menschen, die den öffentlichen Raum aufgrund von privater Enge besonders stark nutzen, ist ein wertschätzender Umgang aller Nutzer*innen mit eben diesen Orten ein Zeichen des Zusammenhalts.

Wohingegen mehr oder weniger vermüllte Orte eine Abwertung erfahren und für eine stärkere Müllablagerung prädestiniert scheinen.
Zudem ist die Betreuung der Probefläche eine gute Gelegenheit den Kontakt zwischen den Parknutzer*innen und den Parkläufer*innen weiter anzuregen. Die Parkläufer*innen werden sichtbarer als „Paten“ des Parks und ihre vielfätigen Funktionen werden beispielhaft klarer.

Beschreibung der Mittel und Aktionen zur Umsetzung:
Die angestrebte 4qm große Wiesenfläche wird mit Kreisespray markiert. Dazu soll ein Schild aufgestellt werden, auf dem erklärt wird, was die Idee der müllfreien Fläche sind. Es kann über einen QR-Code Zugang zu einer ausführlichen Projektbeschreibung gewährleistet und über ähnliche Projekte informiert werden.
((→ Idee, mit einem Kärcher die Fläche um eine Bank zu säubern, sodass sich die saubere Fläche visuell abhebt, wäre eine Alternative zum Spray auf der Wiese.))

Wann soll das Projekt starten und wer wird mit einbezogen:
Das Projekt kann sofort starten und sollte zum 1. November ausgewertet werden, um den weiteren Verlauf zu diskutieren.
Alle Parkbesucher*innen und natürlich die Parkläufer*innen sind Teil der Idee. Einbezogen wird jede*r der_die sich dafür interessiert.
Entwicklung dokumentieren:
Den Ort des Geschehens werden wir fotografisch dokumentieren. Eine Möglichkeit wäre, die Projektdokumentation außen an unserem Container im Kleistpark anzubringen und so noch mehr Aufmerksamkeit zu generieren.
Außerdem sollen auch die Beteiligungsprozesse dokumentiert und ausgewertet werden, um mögliche Wege für die Kommunikation von problematischen Diskursen nach Außen aufzeigen zu können.


 
Projektskizze MÜLLEIMER TAGEBUCH
Wir dokumentieren seit einem Monat einen der unregelmäßig geleerten Mülleimer und können so eine Geschichte darüber erzählen, wann es ihm wie geht und was um ihn herum passiert. Anhand von Überresten eines Festes oder eines kurzen Parkbesuches kann viel herausgelesen werden. Das Müllthema bekommt so eine persönliche und denkwürdige Note. Am Ende haben wir einerseits eine visuell ansprechende Dokumentation und andererseits können auch sachbezogene Rückmeldung an die Verantwortlichen geben.



Projektskizze SAMMELUTENSILIEN ZUM AUSLEIHEN
Es gibt kleine private Sportgruppen in den Parks, die barfuß turnen. Die Parkläufer*innen haben schon mehrmals mit ihnen zusammen Müll (Scherben) gesammelt, bevor die Nachbar*innen mit dem Sport beginnen konnten und sie auf diese Weise kennengelernt. Wir möchten diese und andere Parknutzer*innen in ihrem Engagement unterstützen und Müllsammelutensilien wie Tüten, Zangen und Handschuhe in unserem Container zum Ausleihen bereitstellen.
Somit ist auch eine Struktur für Initiativen gegeben, die Verantwortung übernehmen und bei Bedarf selbstorganisiert Müll sammeln können. Dazu soll es dort einen sichtbaren Hinweis geben. Hierbei wird ebenfalls der Kontakt zu den Parkläufer*innen gefördert und eine gemeinsame Initiative für den Park gestärkt.

Johanna Markmeyer, Parkmanagerin Schöneberg
johanna@think-sihoch3.com